Ortsfamilienbuch Luebzer-Juden

Ortsfamilienbuch der jüdischen Gemeinde von Lübz ... erarbeitet von Dieter Garling, Berlin.

Dieses Ortsfamilienbuch ist kein OFB im üblichen Sinne. Es enthält nur die Mitglieder der früheren jüdischen Gemeinde von Lübz, einer sehr kleinen Gemeinde. Außerdem umfasst es bis auf Ausnahmen nur den Zeitraum von 1813 bis 1916. Auch die Quellenlage ist nicht so einfach, wie bei der evangelischen Bevölkerung Lübz'. Zwar kann man die VZL's 1819, 1867, 1900 und 1919 verwenden und annehmen, dass die Religionszugehörigkeit mit "mosaisch", "israelitisch" oder "jüdisch" korrekt eingetragen ist, eine Garantie auf Vollständigkeit ergibt sich daraus jedoch nicht.

Mit den Angaben der VZ 1819 hat man den Nachweis, dass in der jüdischen "Neubesiedlung Mecklenburgs" in Lübz seit etwa 1760 Juden ansässig sind. Juden werden schon einige Zeit früher in Lübz gelebt haben, da die Eltern der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Lübz geborenen Juden, nicht erst zur Geburt ihrer Kinder nach Lübz gezogen sind. Ein verlässliches OFB kann man jedoch erst 1813 beginnen lassen. Infolge des Emanzipationsediktes des Herzogs vom 22. Februar 1813 nahmen die Juden erbliche Familiennamen an. Bis dahin führten sie häufig nur einen Doppelnamen, zusammengesetzt aus ihrem Vornamen und dem Vornamen eines direkten Vorfahren. Zu diesem Zweck mussten auch alle Lübzer (Schutz-)Juden einen Familiennamen verbindlich wählen. So wurde beispielsweise aus dem damaligen Schulmeister Moses Jacob dann Moses Jacobso(h)n.

Die Lübzer Gemeinde blieb über die Jahre recht klein, was auch in der "Größe" dieses OFBs deutlich wird. Zahlenmäßig am stärksten war die Gemeinde in den Jahren 1860 ... 1870 wo sie zwischen 40 und 50 Mitgliedern hatte.

Unter anderem durch "Stadtflucht" verkleinerte sich die Gemeinde ständig. Die jüdische Gemeinde löste sich 1916 auf. Deren Vertreter waren zu der Zeit der Kaufmann Willy Ascher (Vorsteher) und der Malermeister Julius Beyer (früherer Vorsteher). 1919 gab es nur noch 9 Juden in Lübz, keine Familien mehr im gebärfähigen Alter. Die Angehörigen der Gemeinde schlossen sich der Parchimer Gemeinde an. Drei Juden verstarben bis 1925. Am bekanntesten war dann noch Willy Ascher, der ein Mode- und Konfektionswarengeschäft führte. Er verstarb 1940.

Im Jahr 1823 erhielt die jüdische Gemeinde von Lübz die Erlaubnis einen eigenen Friedhof anzulegen. Ein geplanter Bau einer Kapelle um 1880 wurde nicht realisiert. Obwohl mit der Auflösung der Gemeinde der Friedhof 1916 an die Stadt überging, durften hier weiter Juden beerdigt werden. Die Stadt erhielt 2500 Mark, die sie nebst Zinsen für die Erhaltung des Begräbnisplatzes zu verwenden hatte.

Es sind heute noch 14 Grabsteine und ein Fragment erhalten. Die Steine, die im Frühjahr 1988 flach auf den Rasen gelegt wurden (damals noch 19), wurden um 2010 wieder aufgestellt. Der Verbleib der fehlenden fünf Steine konnte bisher nicht geklärt werden.

Die Steine enthalten teils deutsche und teils hebräische bzw. deutsche und hebräische Aufschriften. Ein Stein ist nicht mehr, andere sind nur schwer lesbar. Lücken können manchmal durch Sekundärquellen ergänzt werden. Die älteste auf einem Stein verzeichnete Geburt ist die von Salomon Bendix vom 22.03.1774 (Geburt in Rehna), der älteste Stein ist aus dem Jahr 1847 (vermutlich Israel Aron) und der jüngste Stein von Sopie Lazarus geb. Ladewig († 18.04.1924).

Weitere Informationen über die Geschichte von Lübz unter Luebz-Online.de. Dort insbesondere auch das Lübzer Einwohnerportal mit derzeit über 60.000 Datensätzen. Hinweise, Ergänzungen, Korrekturen gerne an Stadtgeschichte@Luebz-Online.de.

Erstveröffentlichung(*): Mai 2019

(*) Update: Es wurde ein größeres Update eingespielt. Das OFB enthält nun (fast) alle Lübzer Juden, die im betrachteten Zeitraum in Lübz geboren / gestorben sind bzw. gearbeitet haben sowie deren Ehepartner. Neben der Lübzer "Kernbevölkerung" (die Familien Bayer, Arons, Lazarus) enthält es die Gemeinde- und Privatlehrer, Vorbeter und Schächter, Lehrlinge und Comisse und ein gutes Dutzend Personen, die keinem Haushalt / keiner Familie zugeordnet werden konnten. Darunter sind meist (Handlungs-)Lehrlinge ohne Angabe des Lehrherren oder auch Personen mit außergewöhnlichen Berufen (z. B. Lotterie-Collecteur). Natürlich ist auch die komplette Auswertung der Grabsteine des Gemeindefriedhofes enthalten. In einigen Fällen wurden auch die Eltern der nach Lübz geheirateten / gezogenen Personen aufgeführt, um die Vernetzung der Mecklenburger Juden zu zeigen.

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