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Geschichte - Mecklenburg im Zweiten Weltkrieg

Am 6.11.07 wurde in einer Mailingliste angefragt: "Kamen die englischen Truppen (oder wenigstens Vorposten oder kleine Trupps oder Aufklärer o.ä.) 1945 bis in die Nähe von oder direkt bis nach Malchin?" Hier einige Antworten. Bitte senden Sie eine Mail an info@eMecklenburg.de, wenn Sie weitere Beiträge liefern können. Zwei Links zur Ergänzung:
Kriege der Neuzeit
Kriegsende in Südmecklenburg (1945)

Speziell zu Malchin in den letzten Kriegstagen berichtet der Beitrag: "30.04.1945: Befreiung Malchins durch sowjetische Truppen unter Gardekapitän DMITREWSKI" (aus Malchin 1236-1986 : [Festschrift] ; [Umschlagtitel:] Malchiner Geschichten und Geschichte.- Malchin, 1986. S. 38.). Die militärische Lage in ganz Mecklenburg wird in "Joachim Schultz-Naumann: Mecklenburg 1945, (München 1989)" beschrieben. Aus diesem Buch geht hervor, daß die Russen am 30.4.45 Malchin besetzten. Von Amerikanern in Malchin ist nicht die Rede. Weiter heißt es dort: "Die Demarkationslinie ostwärts Wismar - Schwerin - Dömitz wurde am 2. Mai 1945 von den anglo-amerikanischen Truppen erreicht - wenige Stunden vor der Roten Armee, deren Angriffsspitzen am Abend dieses Tages in der Linie Rostock - Güstrow - Krakow - Karow - Malchow - Röbel und Pritzwalk standen."

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Jürgen Fritsche (genealogie@ib-fritsche.de) schildert sehr detailliert: am 2. Mai 1945 stand die US-Armee mit dem XVIII. US-Korps in Mecklenburg nur westlich einer gerade verlaufenden Linie von Wismar - Schwerin - Hagenow - Lübtheen - Hitzacker; weiter südlich nur entlang der Elbe. Englische Einheiten standen nur bei Hamburg und in Holstein, östlich einer Linie Lübeck - Lauenburg rückten die die Amerikaner vor. Nur eine englische Division stand zwischen Wismar und Schwerin.
Dies belegen damalige US-Militärkarten, und das entspricht auch dem, was Dieter unten zitiert. Zwischen Pritzwalk und Wittenberge befanden sich an diesem Tag lt. den US-Karten noch drei deutsche Divisionen bei Karstädt, Dergenthin und Groß Werzin.
Die militärische Situation östlich dieser US-Frontlinie, also die Positionen der Roten Armee, geben die US-Karten jedoch nicht wieder.
Die Amerikaner waren an diesem einen Tag sehr schnell nach Nordosten vorgestoßen, denn am 1. Mai 1945 standen sie noch vollständig entlang der Elbe.
Am 3. Mai 1945 war die 2. US-Armee dann von Lübtheen aus etwas weiter östlich bis Ludwigslust und Grabow vorgestoßen. Im Norden waren die Engländer nach Lübeck vorgerückt. Bei Wittenberge werden nun nur noch zwei deutsche Divisionen angegeben, eine steht bei Parchim.
Am 4. Mai ist die US-Frontlinie Wismar - Schwerin - Ludwigslust bis östlich Dömitz unverändert. Es werden östlich davon nun keine deutschen Divisionen mehr verzeichnet, da wohl die Rote Armee zu den US-Truppen aufgeschlossen hatte.
In Parchim war die US-Armee nie, schon gar nicht in Lübz oder gar in Malchin, so die Karten. Was unten für den 2. Mai 1945 in Lübz zitiert wird, dürfte allenfalls ein einzelner Stoß-, Erkundungs- oder Spähtrupp der Amerikaner gewesen sein, die sich sogleich wieder nach Ludwigslust / Grabow zurückzogen. Schließlich rückte die Rote Armee ja auch am 3. Mai in Lübz ein.
Die Engländer waren in diesen letzten Kriegstagen gar nicht in Mecklenburg, siehe oben.
Die US-Karten könnt Ihr finden unter memory.loc.gov/ammem/collections/maps/wwii.

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Ein weiterer interessanter Zeitzeugenbericht kommt von Fritz Schmidt (Jahrgang 1928): Am 2.Mai 1945 standen die Sowjets vormittags offensichtlich am (oder fast am) östlichen Stadtrand von Grabow. Als (Halb-) Soldat der Armee Wenck saß ich zu diesem Zeitpunkt - seit einigen Tagen vom Stadtrand Berlin kommend - auf einem LKW auf dem Marktplatz von Grabow. Frauen und Kinder stürmten unser Fahrzeug mit dem Ruf: "Die Russen sind am Stadtrand!" Es hieß weiter: "Lulu ist von den Roten besetzt worden und brennnt an allen Ecken und Enden". Deshalb blieb ich auf dem LKW. Über Wald- und Feldwege fuhren wir Richtung Westen und wurden bei Eldena von einem Ami "begrüßt". Er nahm mir zunächst die Armbanduhr ab, obwohl schon einige Uhren seinen Unterarm verzierten.
Dann wurden wir auf der Nordseite der Elde unter Amibewachung Richtung Westen ans Elbufer nahe Wiezetse(?) zunächst auf eine Wiese per LKW transportiert. ... Entweder noch am Abend oder am nächsten Tag quartierte man uns in einer Scheune auf dem Heuboden ein. Wir waren alles Zivilisten, d.h. die meisten waren umgekleidete Soldaten. Von einem weiß ich z.B., daß er Ritterkreuzträger war.
Von den Einwohnern erfuhren wir, dass auf der Westseite der Elbe Engländer und Amis ihre "Zonen" austauschten. Es gab da also ein gewisses "Vakuum". Dass nutzten einige Leichtsinnige aus - ich auch - und paddelten mit einem lecken Kahn und Kistenbrettern als Ruder über die Elbe. Dann ging´s zu Fuß gen Westen.
Ende Juni/Anfang Juli fand ich im Hilswald (Weserbergland) ein Flugblatt, das über die Besetzung von Lulu durch die Amis am 2. Mai informierte. Also wieder Richtung Osten nach Lulu, wo ich an einem Dienstag eintraf. Am Sonntag kam leider die glorreiche Rote Armee per Panjewagen usw. in die Stadt. Wir mussten das Haus räumen.
Meine Mutter erzählte, dass zunächst die Amis da waren. Sie musste raus aus dem Haus. Später kamen die Engländer und dann s.o.!
Zu der Zeit war wiederum alles möglich, denn Lulu wurde ja auch fast nur von einem amerikanischen Serganten "erobert".

mumpipuck Der Ort mit dem Fragezeichen heißt Wietzetze (Kr. Lüchow-Dannenberg).
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Ein weiterer Bericht von Manfred Pragst (manfred_pragst@web.de): 1945 erlebte ich in Gadebusch als zwölfjähriger Schüler den Einmarsch der Amerikaner. Gadebusch liegt 24 km westlich von Schwerin, zwischen Schwerin und Ratzeburg. Die Amerikaner kamen am 2. Mai von Wittenburg her über Lützow und fuhren mit Panzern und Lkw in die Stadt bzw. weiter in westliche und nördliche Richtung. In den engen Straßen der Kleinstadt Gadebusch standen viele verlassene Wehrmachtsfahrzeuge usw.. Auf den Chausseen hatten die Ami-Panzer im Wege stehende Fahrzeuge in die Seitengräben gedrückt. An der Straße nach Vietlübbe stand ein verlassener Fieseler Storch. Hinter unserem Haus in einer Wiese ein Panzerspähwagen usw. Am schlimmsten waren in etwa 80 Meter Entfernung zwei verlassene dt. LKW voller Munition, hauptsächlich Panzerfäuste und MG-Muni., wie wir Jungen beim Herumklettern feststellten.
In der Stadt Gadebusch kreuzten sich wichtige Fernstraßen. Die Chausseen waren zt. verstopft durch lange LKW-Kolonnen in Richtung Westen flüchtender deutscher Wehrmachtseinheiten und ziviler Flüchtlingstrecks. In kürzester Zeit füllte sich das provisorisch eingerichtete Kriegsgefangenenlager oberhalb Gadebusch (Kleingartenbereich östlich des Scheunenviertels von Gadebusch) mit etwa 20.000 gefangenen dt. Soldaten. Die Kriegsgefandenen mußten unter der Kälte und Nässe der ersten Maitage und durch Hunger sehr leiden. Auch an Zelten und Stroh fehlte es.
Nach geraumer Zeit, Tage oder Wochen (ein Datum ist mir nicht mehr bewußt), wurden die amerikanischen Besatzer durch englische Truppen abgelöst. Jetzt zog ein strenges Regime ein. Statt des laxen Umgangs zwischen Amerikaner und Deutschen, Tauschhandel und Verkauf von allen möglichen Militaria und Exponaten von der Hitlerjugend (Jungvolk) als Souvenier, wurden wir eher als deutsche Schweine bezeichnet.
Wochen später zogen die Engländer ab. Sie versperrten alle Nebenstraßen der Kleinstadt mit gepanzerten Fahrzeugen und die deutschen Kriegsgefangenen marschierten in langen Kolonnen durch die Hauptstraße Stadt in Richtung Westen.
Danach war Gadebusch etwa 12 Stunden ohne Besatzungstruppen, bis am nächsten Tag, einem feucht-nebligen Morgen, zuerst einige sowjetische Soldaten auf Fahrrädern mit umgehängter MP auf dem Bürgersteig (man denke!) in die Stadt einfuhren. Danach folgten endlose Kolonnen marschierender Rotarmisten mit Gesang (Wechselgesang zwischen Vorsänger und Chor), gefolgt von den Panjewagen mit der Bagage. Panzer etc. bekamen wir in der Stadt kaum zu sehen. Das Gebiet um und in Gadebusch mußte 3000 Besatzer verkraften. Alles weitere ist vorstellbar.
Das Abkommen über die Neufestsetzung der Grenze zwischen Mecklenburg und Schleswig/Holstein wurde übrigens im historischen Gadebuscher Rathaus zwischen den Alliierten abgeschlossen.

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Erland Asmus (m-e.asmus@gmx.de) schreibt: Man kann davon ausgehen, daß die Engländer in der Tat zu dem genannten Zeitpunkt bis ins Mecklenburgische gekommen waren. Ich selbst habe den Einmarsch Mitte April 45 etwa im Raum Uelzen erlebt (ich war damals 12 Jahre). Die Truppen waren gut motorisiert und sind mit Sicherheit schnell in Richtung Elbe (ca. 50 km) und dann über den Fluss (wie?, die Dömitzer Elbbrücke war wohl schon gesprengt?) gekommen. Soweit ich mich erinnere, sind sie noch viel weiter vorgestoßen und kurz oder lang danach wieder zurück auf das linke Elbufer zurück verlagert worden. Es war der Einfluss der Sowjetunion, der die westl. Alliierten partout nicht bereits auf dem Marsch nach Berlin sehen wollte. So ist Mecklenburg seinerzeit unter sowj. Einfluss und dann in die DDR gekommen. Tausende haben seinerzeit noch versucht, mit den Engländern auf die linke Elbseite zu gelangen, um nicht unter die Herrschaft der Sowjets zu gelangen.

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Reimar Asmus (asmus.reimar@kabelmail.de) schreibt: Die alten Leute im Dorf 17166 Teschow (da bin ich groß geworden) sagen das Englische Soldaten durchs Dorf Richtung Alt Sührkow gefahren sind später sind sie wieder Richtung Teterow zurück gefahren. Meiner Meinung nach weil die Russen schon in Demmin gewesen sind.

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Über Lübz (also deutlich westlich von Malchin) z. B. ist bekannt: Am Abend des 2. Mai besetzten Vortrups der amerikanische Truppen Lübz. Es heißt, sie sind durch den Lehrer Carl Köppen und Brauereidirektor Heinz Ludewig mit weißen Fahnen am Stadtrand empfangen worden. Am 3. Mai ziehen Truppen der Roten Armee aus Plau und Kreien kommend in Lübz ein, nachdem die Amerikaner die Stadt wieder verlassen haben.

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Helmut Wohlfarter (hwohlfarter@barvallei.co.za) schreibt: Am 04.05.1945 hatte ein Verwandter bereits für die Flucht vor den Russen gepackt. Es wurde aber schon in Friedrichsruhe (etwa 7 km südöstlich Crivitz) geschossen, so daß er keine Möglichkeit für sich und seine Familie zum Entkommen sah. Seiner Schwägerin mit Tochter gelang die Flucht über den Hinterhof. Meine Frage ist, gibt es einen Bericht über die Geschehnisse beim Einmarsch der Russen in Friedrichsruhe? Für Hinweise wäre ich Ihnen sehr dankbar.

winie 25 Ich komme aus friedrichruhe das einzige was ich weiß das in friedrichruhe dorf ca 1 km südlich von friedrichruhe noch gekämpft wurde anhand von stellungslöchern am Waldrand und diversen hinweisen durch bodenfunde wie russische und deutsche Stahlhelme sowie munitionsFunde in den 90er Jahren in friedrichruhe selbst hat mein Onkel damals ein Haus gebaut direkt an der heutigen b321 aus crivitz kommend auf einen Hang dort war ebenfalls alles voller waffen und Munition weitere Hinweise hab ich leider nicht ich würde mich sehr über weitere Informationen aus dem Raum crivitz freuen da mein intresse sehr groß ist bezüglich dem ende des Krieges vor meiner Haustür
LandserlaGER Hallo Winnie 25 Hast du Infos zu den Gefechten in Friedrichsruhe ? Komme aus Ruthenbeck und bin sehr Interressiert ?! Ich habe da auch vieles Gefundenund habe so meine Thesen ... Da sind ja echt ne Menge Schützenlöcher . LG
winie 25 Hallo Ich hab ein bisschen nachgeforscht In friedrichsruhe Dorf waren die Russen am Waldrand daher die schätzen Löcher das Dorf wurde geteilt auf einer Seite wohnten russische Offiziere im Wald selber hausten die Soldaten. Von crivitz aus kommend auf der b321 Anfangs friedrichsruhe Hof ist eine Anhöhe dort baute mein Onkel in den 90er ein Haus das erste links Beim Keller ausheben haben die wohl ganz schön was gefunden daher kann ich mir vorstellen das evtl kleinere Gefechte stattgefunden haben Im Raum Tramm muss irgendwas gewesen sein da überall was gefunden wurde auf gehöften usw wenn man tramm verlässt Richtung göhren kommt links ein Feldweg am Waldrand rechts von dem weg ein Stück im Wald ist eine Art Bunker keine Ahnung was da gewesen ist evtl mun Bunker
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